Die Sortenretter – Engagierte Bürger wollen alte Obst- und Gemüsesorten vor dem Vergessen retten

Alte Obst- und Gemüse-Sorten sind wahre Schätze, nicht nur das sie meist viel besser schmecken als die verbreiteten Industrie-Sorten, sie sind oft auch wesentlich resistenter gegen Krankheiten und Schädlinge. Daher müssen wir sie unbedingt vor dem Aussterben bewahren!

Schwarze Tanne, Green Grape oder Andenhorn sind nur drei von weltweit über 15.000 Tomatensorten. Im Supermarkt suchen wir diese jedoch vergebens. Wer an alten Obst- und Gemüsearten interessiert ist, muss diese heutzutage meist selbst anbauen. Doch das ist zu Weilen ziemlich heikel: Denn mit dem Saatgut nicht amtlich zugelassener Pflanzensorten darf kein Handel betrieben werden. So sieht es jedenfalls das Saatgutverkehrsgesetz vor. Das gilt sogar für alte Obst- und Gemüsesorten, deren Saatgut schon seit Generationen an Nachbarn, Freunde und Familie weitergegeben wird.

Sortenretter wollen Vielfalt auf unseren Tellern bewahren

Das führt zum Bespiel dazu, dass ein Kartoffelbauer zwar Kartoffeln alter Sorten verkaufen darf. Doch er muss seine Kunden absurder Weise darauf hinweisen, seine Kartoffeln ausschließlich zu essen, aber sie keinesfalls selbst anzubauen. So ergeht es unter anderem Karsten Ellenberg. Der Landwirt hat schon viele Kartoffelsorten gerettet, weil er diese auch ohne Sortenschutz weiter anbaut. Bekannt ist der widerspenstige Landwirt durch seine Initiative zur Rettung der Kartoffel Linda.

Auch Uschi Reinhardt aus Niedersachsen widersetzt sich dem gültigen Saatgutverkehrsgesetz und das aus voller Überzeugung. Sie möchte die Vielfalt der Tomaten erhalten. Reinhard Lühring liegen die historischen Gemüsesorten seine Heimat Ostfriesland am Herzen, vor allem der langsam wieder in Mode kommende Grünkohl. Alle drei wollen alte und schmackhafte Gemüse-Sorten erhalten, um deren Vielfalt zu bewahren.

Zulassungskosten sind für Klein-Züchter und Amateure nicht bezahlbar

Um Gesetzeskonform zu handeln, könnten Landwirte sowie Klein- und Hobby-Züchter die verschiedenen Gemüsesorten, deren Saatgut sie vertreiben wollen, beim Bundessortenamt, einer Einrichtung des Landwirtschaftsministeriums, anmelden. Doch dabei fällt für jede angemeldete Sorte eine Schutzgebühr von 30 Euro an. Erst danach ist es einem erlaubt, mit dem Saatgut zu handeln. Doch das ist noch nicht die größte Hürde, denn zunächst muss die angemeldete Sorte anerkannt werden. Dafür fallen weitere 200 Euro pro Sorte an. Der Sortenschutz erlischt nach 25 oder 30 Jahren, je nach Pflanzenart. Dies hat zur Folge, dass die Vielfalt etlicher zugelassener Sorten eingeschränkt ist.

Interesse an alten Sorten wächst

Zum Glück wächst gegenwärtig das Interesse für alte Obst- und Gemüse-Sorten wieder: Viele Verbraucher haben den Gemüseeinheitsbrei im Supermarkt satt und wollen wieder Geschmack auf dem Teller. Und dieser Wunsch geht sogar soweit, dass die historischen Sorten zunehmend im eigenen Garten oder auf dem Balkon angebaut werden.


Diesen Blogpost teilen und liken: 


Ähnliche Einträge

Kommentare

Keine Kommentare vorhanden.

Kommentar abschicken