Pomologe und Geistlicher der Apfelpfarrer Korbinian Aigner

Korbinian Aigner wurde unter den Nazis wegen seiner kritischen Äußerungen inhaftiert. Doch auch im KZ ließ er sich seine Leidenschaft für den Obstbau nicht zerstören und schuf so Hoffnung. Vier Apfelsorten hat er heimlich im KZ Dachau gezüchtet, wo er im sogenannten "Kräutergarten" arbeiten musste.

Korbinian Aigner wird 1885 im oberbayrischen Hohenpolding als Sohn eines Großbauern geboren und schon früh interessiert er sich für die Apfelkunde, die Pomologie. Zudem steht für ihn auch schon als Schüler fest, dass er Pfarrer werden will. Beide Interessen verfolgt er zielstrebig und gründet 1908 mit nur 23 Jahren einen Obstbauverein bevor 1911 zum Priester geweiht wird.

Auf Wanderschaft im Dienst von Glaube und Apfel

Nach der Priesterweihe beginnen seine Wanderjahre als Hilfsgeistlicher. Dabei scheint er auch oft, mit seinen Vorgesetzten aneinander geraten zu sein. Denn nach heutigen Erkenntnissen häufen sich in dieser Zeit die Beschwerden über ihn. Der Beschwerdegrund lässt sich in einem wunderbaren Satz verdichten: Er sei mehr Pomologe als Theologe. Doch Aigner lässt sich dadurch nicht beirren und setzt sein großes Engagement für seine Obstbäume fort. Für ihn ist diese Arbeit ein ebenso essenzieller Bestandteil am Dienst an der Schöpfung, wie die heilige Messe zu halten. Neben seinem kirchlichem Amt hält er Vorträge über Apfelanbau, legt in seinen Gemeinden Plantagen und Alleen an und berät bei pomologischen Fragen. Erst 1931 bekommt er eine eigene Pfarrstelle.

Wegen seiner Überzeugungen muss er ins KZ

Als Katholik und Traditionalist lehnt Aigner den Nationalsozialismus von Anfang an ab. So weigert er sich u. a. 1933, anlässlich der Reichstagswahlen die Glocken zu läuten. "Ich als katholischer Pfarrer mache das, was meine Pflicht ist, nämlich nicht Glocken läuten in diesem Fall. Glocken läuten ist ein sakraler Akt und kein weltlicher Akt." Diese und viele ähnliche Begebenheiten, wie die Weigerung NS-Fahnen in die Kirche hängen zu lassen, führen zu seiner Strafversetzung. Doch Aigner lässt sich nicht einschüchtern. Als Georg Elser mit seinem Attentat auf Hitler scheitert, sagt er am nächsten Tag im Religionsunterricht: "Ich weiß nicht, ob es Sünde ist, was der Attentäter im Sinne hatte. Dann wäre halt vielleicht eine Million Menschen gerettet worden."

Von die Denunziation durch Mitgliedern seiner Gemeinde, kommt er erst ins Gefängnis und schließlich ins KZ Dachau. Aus dieser Zeit ist heute wenig bekannt. Lediglich, dass der Aigner heimlich im Kräutergarten des KZ’s aus Apfelkernen Sämlinge zieht. Rund 130 dieser Apfelbäumchen lässt er heimlich aus dem Lager schmuggeln, damit sie außerhalb zu Bäumen werden können. Aus vier dieser Bäume werden tatsächlich eine neue Apfelsorten entwickelt. Seine Züchtungen nennt Aigner KZ 1 bis 4.

Wenige Tage vor Kriegsende, gelingt Aigner die Flucht aus Dachau. Anschließend  kehrt zurück nach Hohenbercha und tritt seine alte Pfarrstelle wieder an. Zudem wird er Vorsitzender des Bayrischen Landesverbandes für Obst- und Gartenbau. Auch wenn er nie vom KZ gesprochen hat - vergessen hat er diese Zeit nicht. Den Mantel mit dem roten Winkel für die politischen Gefangenen legte er zeitlebens nicht ab: als er am 5. Oktober 1966 stirbt, wird er darin beerdigt.

KZ 3 der Korbiniansapfel wird bis heute angebaut

Heute gibt es nur noch den KZ 3 Apfel. 1985 wurde dieser in Korbiniansapfel umbenannt und man findet ihn noch heute in einigen Läden. Wolfgang Herrmann, der Präsident der TU München versichert, dass es sich hierbei um einen wirklich schmackhafter Wirtschaftsapfel handelt. Und der Mann sollte wissen wovon er spricht, schließlich kümmert sich der Lehrstuhl für Obstbau heute um den Nachlass des Apfelpfarrers.

Seine Apfelbilder dienen bis heute der Sortenbestimmung

Korbinian Aigner hat sich nicht nur um den Obstbau verdient gemacht und ist bis heute weit über Bayerns Grenzen als Pomologe anerkannt. Seine über 900 Apfelabbildungen, auf denen er akribisch genau die verschiedenen Apfel- und Birnensorten zeichnerisch beschrieben hat, werden bis heute zur Bestimmung von Sorten herangezogen und sogar als Kunstobjekte in Metropolen wie New York in Kunstmuseen gezeigt.

Auch auf der documenta wurden sie 2012 gezeigt und es wird viel in sie hineininterpretiert: Als eine Kritik an der sinnesfeindlichen Kirche werden sie gelesen, mit den Apfelbildern von Cézanne verglichen. "Korbinian Aigner würde wahrscheinlich heute den Kopf schütteln und sagen: Ihr spinnt doch." Denn Ich, dienten die Bilder ganz pragmatisch als Anschauungsmaterial für seine Arbeit im Obstbauverein.


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Wir sind ja nicht nur passionierte Hobbygärtner, sondern auch richtige Naturburschen. Und da unser Team zum Teil aus Thüringern besteht, liegt uns auch das Grillen, Braten und Räuchern im Blut. Nun sind nicht alle von uns Vegetarier und essen auch gern mal ein ordentliches Stück Fleisch. Da trotz dessen jeder von uns auf gesunde und nachhaltige Lebensmittel steht, lag es Nahe, es diesmal mit Wild - genauer mit Wildschwein zu versuchen. Aber lest selbst!

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